Design

DB-Automat // Diplomarbeit 2010 

Riedel Bahnautomat3_1312396098Riedel Bahnautomat4_1312396129

„Der Fahrkartenautomat ist immer der Feind des Fahrgastes.“ So ein Mitarbeiter von „Pro Bahn“, eines gemeinnützigen Vereines, der sich mit den Rechten von Fahrgästen beschäftigt. 

Dieser schöne Satz bleibt hängen. Er bringt, gewiss überspitzt, ein Gefühl auf den Punkt, das sich aus dem Verdruss über ein Missverhältnis von hochkomplexer (Bahn-) Realität und dem Versuch, diese durch eine technisch-mediale Struktur  abgebildet zu sehen, rekrutiert.

Für Bahnreform und Börsengang hat sich die Deutsche Bahn „verschlankt“. Man erkennt es an den personalfreien Kleinstadtbahnhöfen und deren schon beizeiten schließenden Wartebereichen. 

Daß das Einsparen von ausgebildetem Personal nicht nur Aspekte von Reisekomfort oder ausreichender Information berührt, sondern auch Sicherheitsrelevanz besitzt, ist gerade in letzter Zeit Schlagzeilen wert: wenn Überwachungskameras die Ergebnisse von Vandalismus oder körperlicher Gewalt lediglich konstatieren können.

Am Beispiel der Deutschen Bahn analysiert die Diplomandin diese Situation. Als ein wesentlicher Ansatzpunkt wird die Tatsache verstanden, dass im Gegensatz zu vielen Prozessen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, Informations- und Serviceangebote der Bahn einem deutlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterworfen sind. Dem Widerspruch permanenten Reisebetriebes, der umfassenden Vernetzung der Regionen zur weitgehenden Deaktivierung wesentlicher Informationsflüsse zur Nachtzeit setzt die Diplomandin das Konzept eines Geräteverbundes entgegen, das in Ergänzung zu bestehender Personalpräsenz tageszeitenunabhängig wichtige Forderungen an Information, Service und Sicherheit erfüllen helfen soll. Dabei ist betont, dass hier kein weiteres Rationalisierungsmittel (also Personaleinsparung) ersonnen werden sollte, als vielmehr im Rahmen einer einheitlichen gestalterischen Idee die kommunikativen Aspekte von Ergonomie und genereller Gebrauchsfunktion zu unterstützen.

 

Text: Christoph Adrian Macher, Professor für Produktgestaltung, Hochschule Wismar